Ein Portal des Gesundheitsnetzwerks NRW Quelle: öffentliche Verzeichnisse
Für Patienten Zuletzt aktualisiert:

Stillen und Wochenbett: typische Probleme und wo es Hilfe gibt

Was das Wochenbett ist

Als Wochenbett bezeichnet man die Zeit nach der Geburt, in der sich Ihr Körper zurückbildet und Sie und Ihr Kind sich aufeinander einstellen – gerechnet werden dafür etwa sechs bis acht Wochen, betreut wird bei Bedarf länger.

Zwei Dinge vorweg, weil sie den meisten Druck herausnehmen:

  • Es ist keine Erholungsphase. Nachwehen, Wundheilung, Wochenfluss, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen und Schlafmangel treffen gleichzeitig ein. Wer das erwartet, erschrickt weniger.
  • Der geregelte Tagesablauf kommt später. In den ersten Wochen richtet sich alles nach dem Kind. Besuche, Termine und Haushalt sind das, was verschoben werden kann.

Wie die Betreuung zu Hause abläuft

Die Hebamme kommt zu Ihnen. Wie oft und wie lange, richtet sich nach dem Bedarf – in den ersten Tagen dichter, danach in größeren Abständen. Den Rhythmus legen Sie gemeinsam fest, meist am Ende jedes Besuchs für den nächsten.

Ein Besuch besteht aus drei Teilen:

  1. Sie: Rückbildung der Gebärmutter, Wochenfluss, Wundheilung nach Dammverletzung oder Kaiserschnitt, Brust, Kreislauf, Schlaf, Stimmung.
  2. Ihr Kind: Gewichtsverlauf, Nabel, Haut und Gelbfärbung, Ausscheidungen, Trinkverhalten, Verdauung.
  3. Ihre Fragen. Das ist der Teil, der am häufigsten zu kurz kommt, weil einem im Moment nichts einfällt. Legen Sie einen Zettel neben das Sofa und schreiben Sie zwischendurch auf, was Sie beschäftigt – auch Peinliches, auch Banales.

Fast immer wird eine Stillmahlzeit begleitet. Das ist kein Prüfungstermin: Anlegen, Saugverhalten und Position lassen sich nur direkt beurteilen, nicht aus einer Beschreibung am Telefon.

Praktisch hilft: ein zugänglicher Platz mit gutem Licht, Windel und Wickelunterlage griffbereit, Mutterpass und Kinderuntersuchungsheft an einer festen Stelle. Alles andere darf unaufgeräumt sein. Wirklich.

Klären Sie außerdem früh die Erreichbarkeit zwischen den Besuchen: Wann dürfen Sie anrufen, wann eher schreiben, wer vertritt am Wochenende? Diese eine Absprache erspart viele unruhige Nächte.

Der Stillstart: was normal ist

Stillen ist erlernt, nicht angeboren – für Sie beide. Dass die ersten Tage unbeholfen sind, ist der Regelfall.

  • Die erste Milch ist die Vormilch (Kolostrum). Sie kommt in sehr kleinen Mengen und ist trotzdem ausreichend; der Magen eines Neugeborenen ist winzig.
  • Der Milcheinschuss setzt meist innerhalb der ersten Tage nach der Geburt ein. Die Brust wird dabei voll, warm und spannt. Nach einem Kaiserschnitt kann es etwas länger dauern.
  • Häufigkeit: Neugeborene trinken oft, unregelmäßig und auch nachts. Phasen, in denen ein Kind über Stunden immer wieder trinken will – meist abends –, sind bekannt und kein Zeichen für zu wenig Milch.
  • Gewicht: In den ersten Tagen nehmen Neugeborene ab, danach wieder zu. Wie das zu bewerten ist, entscheidet nicht die Waage allein, sondern der Verlauf – dafür sind Hebamme und Kinderarztpraxis da.

Woran Sie nicht ablesen können, ob Ihr Kind genug bekommt: an der Dauer einer Mahlzeit, am Gefühl der Brust oder daran, wie viel sich abpumpen lässt. Diese drei Irrtümer sind der häufigste Grund für unnötige Sorge.

Typische Startschwierigkeiten

Schmerzen beim Anlegen, wunde Brustwarzen. Ein kurzes Ziehen zu Beginn ist häufig. Schmerz über die ganze Mahlzeit, Risse oder Blutungen sind es nicht – meist steckt die Position oder die Art des Erfassens dahinter. Früh anschauen lassen: Je länger es besteht, desto zäher wird die Korrektur.

Sehr volle, harte Brust. Rund um den Milcheinschuss kann die Brust so prall werden, dass das Andocken schwerfällt. Ihre Hebamme zeigt Ihnen, was in Ihrer Situation sinnvoll ist. Probieren Sie nicht auf eigene Faust Hausmittel aus dem Netz durch.

Milchstau. Ein umschriebener, druckempfindlicher, manchmal geröteter Bereich. Ein Milchstau kann in eine Brustentzündung (Mastitis) übergehen – der Übergang ist fließend, und genau deshalb steht weiter unten eine klare Grenze, ab der Sie nicht abwarten.

Das Kind ist sehr schläfrig oder wirkt unruhig an der Brust. Beides kommt vor und hat viele mögliche Ursachen. Es gehört zu den Dingen, die man nicht selbst deuten sollte, sondern zeigen.

Saugprobleme. Manchmal gelingt das Erfassen anhaltend nicht. Eine mögliche Ursache ist ein verkürztes Zungenbändchen; ob es vorliegt und ob es überhaupt eine Rolle spielt, beurteilen Hebamme, Kinderarztpraxis oder eine Stillambulanz – nicht ein Video.

Zu viel Milch. Auch das ist ein Problem: Das Kind verschluckt sich, die Brust läuft über, Stau droht. Dafür gibt es Lösungen, sie sind nur weniger bekannt.

Erschöpfung. Der unterschätzte Punkt. Wenn nachts jede Mahlzeit vierzig Minuten dauert, ist Schlafmangel keine Nebensache, sondern der eigentliche Belastungsfaktor. Sprechen Sie das an, bevor es Sie aufreibt.

Wann zusätzliche Stillberatung sinnvoll ist

Die Hebamme ist die erste Adresse; Stillberatung gehört zu ihren Aufgaben. Eine zusätzliche, spezialisierte Beratung lohnt sich, wenn eine Situation länger anhält oder besonders ist:

  • Schmerzen oder wunde Brustwarzen, die trotz Korrektur bleiben
  • ein Gewichtsverlauf, der Sorge macht, oder dauerhaftes Zufüttern, das Sie hinterfragen möchten
  • Zwillinge, frühgeborene oder erkrankte Kinder
  • wiederholte Milchstaus oder Brustentzündungen
  • Stillen nach einer Brustoperation
  • Wiederaufnahme des Stillens nach einer Pause
  • Rückkehr in den Beruf, Abpumpen, Beikoststart, geplantes Abstillen
  • Fragen zur Verträglichkeit von Medikamenten in der Stillzeit – die gehören immer an eine Fachperson, nie an eine Suchmaschine

Wo Sie suchen: Ihre Hebamme, Stillambulanzen und Stillsprechstunden an Geburtskliniken, Kinderarztpraxen, zertifizierte Still- und Laktationsberatung (die Qualifikation wird als IBCLC bezeichnet), Familienzentren und die Frühen Hilfen sowie kostenfreie Stillgruppen.

Kosten: Hebammenleistungen sind für gesetzlich Versicherte zuzahlungsfrei. Beratung durch Fachkräfte ohne Hebammenqualifikation ist meist privat zu zahlen, einzelne Kassen bezuschussen sie. Fragen Sie vor dem Termin nach.

🔴 Anzeichen, die ärztlich abgeklärt gehören

Diese Liste ist keine Diagnosehilfe, sondern eine Grenze. Melden Sie sich noch am selben Tag bei Ihrer Frauenarztpraxis, Ihrer Geburtsklinik oder außerhalb der Sprechzeiten unter 116 117:

  • hohes Fieber oder Schüttelfrost
  • starke oder wieder zunehmende Blutung – etwa wenn eine Vorlage in kurzer Zeit durchtränkt ist – oder große Blutklumpen
  • übelriechender Wochenfluss
  • eine einseitig gerötete, überwärmte, schmerzende Brust mit Krankheitsgefühl oder Fieber
  • starke Schmerzen in Bauch, Damm, Kaiserschnittnarbe oder Brust, die zunehmen
  • eine Wunde, die sich rötet, schwillt, nässt oder aufgeht
  • Brennen beim Wasserlassen, Harnverhalt oder Stuhl- und Urinverlust, den Sie nicht steuern können

Sofort die 112 bei Atemnot, Brustschmerz, einseitigem Wadenschmerz mit Schwellung, Krampfanfall, Bewusstseinsstörung oder plötzlich sehr starken Kopfschmerzen mit Sehstörungen und Oberbauchschmerz – Bluthochdruckerkrankungen der Schwangerschaft können auch nach der Geburt auftreten.

Beim Kind gilt: Fieber bei einem Säugling unter drei Monaten, deutlich schlechteres Trinken, auffallende Schlappheit, zunehmende Gelbfärbung oder Berührungsempfindlichkeit gehören zeitnah in die Kinderarztpraxis. Bei schneller, angestrengter Atmung, Einziehungen zwischen den Rippen, bläulicher Verfärbung oder wenn Ihr Kind nicht richtig wach wird: 112.

Die Sorge, sich umsonst zu melden, ist auch hier der häufigste Grund für zu spätes Handeln.

Wenn die Seele nicht mitkommt

Stimmungstiefs in den ersten Tagen sind häufig, kommen in Wellen und gehen meist von selbst vorbei. Anders ist es, wenn Traurigkeit, Angst, innere Leere, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit trotz Müdigkeit oder das Gefühl, keine Verbindung zum Kind zu spüren, länger als etwa zwei Wochen anhalten oder stärker werden. Dann spricht man von einer Wochenbettdepression. Sie ist häufig, behandelbar und kein Zeichen von Schwäche – und sie betrifft auch Partnerinnen und Partner.

Erste Anlaufstellen: Ihre Hebamme, Ihre Frauenarztpraxis, Ihre Hausarztpraxis, Schwangerschafts- und Familienberatungsstellen, die Frühen Hilfen und Familienzentren vor Ort.

Wenn es akut wird:

  • 112 bei einer akuten Krise, bei Gedanken, sich oder dem Kind etwas anzutun
  • 116 117 – ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechzeiten
  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, rund um die Uhr, kostenfrei und anonym (auch unter der Kurznummer 116 123)
  • Elterntelefon: 0800 111 0 550, kostenfrei und anonym, zu festen Zeiten

Es zählt zu den mutigsten Dingen, in dieser Zeit um Hilfe zu bitten, und es hat nichts damit zu tun, dass Ihnen jemand Ihr Kind wegnehmen würde. Diese Angst hält viele zurück; sie ist unbegründet.

Nicht zu stillen ist kein Versagen

Es gibt viele Gründe, warum ein Kind nicht oder nicht ausschließlich gestillt wird: Erkrankungen, notwendige Medikamente, Erschöpfung, psychische Belastung, Trennung nach der Geburt, ausbleibende Milchbildung, frühere Erfahrungen – oder schlicht eine Entscheidung.

Es geht Ihnen niemand ab. Ein Kind, das anders ernährt wird, wird satt und versorgt. Teilweises Stillen ist ebenfalls möglich und für viele die Lösung, die trägt.

Was dabei zählt, ist fachliche Begleitung statt Ratschlägen aus dem Bekanntenkreis: Lassen Sie sich Zubereitung, Menge und Rhythmus von Ihrer Hebamme oder der Kinderarztpraxis erklären. Und wenn Sie abstillen möchten, besprechen Sie vorher, wie – ein zu abruptes Abstillen kann Beschwerden machen.

Druck von außen, in welche Richtung auch immer, ist keine Beratung. Sie dürfen ihn abweisen.

Wenn die Betreuung endet

Irgendwann kommt der letzte Hausbesuch. Klären Sie dabei drei Dinge: an wen Sie sich mit Stillfragen danach wenden, wann Ihre Nachuntersuchung in der Frauenarztpraxis ansteht und welche Vorsorgetermine für Ihr Kind als Nächstes fällig sind. Wenn Sie einen Rückbildungskurs machen möchten, ist das der richtige Moment, sich anzumelden – Plätze sind mancherorts knapp.


Dieser Beitrag beschreibt allgemein, wie Wochenbettbetreuung und Stillberatung ablaufen. Er ersetzt keine hebammenkundliche oder ärztliche Beratung und trifft keine Aussage über Ihren Einzelfall.

HÄUFIGE FRAGEN
Wie läuft ein Hausbesuch der Hebamme im Wochenbett ab?
Ein Besuch dauert meist zwischen einer halben und einer ganzen Stunde. Angeschaut werden Sie und Ihr Kind: Rückbildung, Wundheilung, Nabel, Gewichtsentwicklung, Trinkverhalten, Ausscheidungen und Hautfarbe. Fast immer wird auch eine Stillmahlzeit begleitet, weil sich Anlegen und Saugen nur direkt beurteilen lassen. Den Rest der Zeit füllen Ihre Fragen – schreiben Sie sie zwischen den Besuchen auf, im Moment selbst fällt einem selten alles ein.
Ist Stillen am Anfang normalerweise schmerzhaft?
Ein kurzes Ziehen zu Beginn einer Mahlzeit kommt in den ersten Tagen häufig vor. Anhaltender Schmerz während der ganzen Mahlzeit, wunde oder blutende Brustwarzen sind dagegen kein notwendiger Teil des Stillens, sondern meist ein Hinweis darauf, dass Position oder Anlegen verändert werden sollten. Lassen Sie das früh von Ihrer Hebamme oder einer Stillberatung anschauen – je länger es dauert, desto mühsamer wird die Korrektur.
Woran merke ich, ob mein Kind genug bekommt?
Nicht am Gefühl der Brust und nicht an der Dauer einer Mahlzeit – beides täuscht. Beurteilt wird das anhand von Gewichtsverlauf, Ausscheidungen und Trinkverhalten, und dafür sind Hebamme und Kinderarztpraxis zuständig. Wenn Sie unsicher sind, ist das ein guter Grund für einen zusätzlichen Termin oder einen Anruf, nicht für Abwarten.
Wer bezahlt eine Stillberatung?
Stillberatung durch eine Hebamme gehört für gesetzlich Versicherte zur Hebammenhilfe und ist zuzahlungsfrei – auch über das Wochenbett hinaus, solange gestillt wird. Beratung durch Fachkräfte ohne Hebammenqualifikation ist in der Regel privat zu zahlen; einzelne Kassen bezuschussen sie freiwillig. Stillambulanzen an Geburtskliniken rechnen unterschiedlich ab. Fragen Sie vor dem Termin, was auf Sie zukommt.
Was ist der Unterschied zwischen Babyblues und Wochenbettdepression?
Die Stimmungsschwankungen der ersten Tage nach der Geburt sind häufig, kommen in Wellen und klingen meist innerhalb von etwa zwei Wochen von selbst ab. Halten Traurigkeit, Erschöpfung, Angst, innere Leere oder Schuldgefühle länger an oder werden stärker, spricht man von einer Wochenbettdepression – sie ist eine behandelbare Erkrankung und kein Charakterfehler. Sprechen Sie Ihre Hebamme, Frauenarztpraxis oder Hausarztpraxis an; bei Gedanken, sich oder dem Kind etwas anzutun, sofort die 112.
Was tun, wenn Stillen nicht klappt oder ich nicht stillen möchte?
Dann wird Ihr Kind anders ernährt, und das ist eine zulässige Entscheidung, für die Sie sich niemandem gegenüber rechtfertigen müssen. Lassen Sie sich Zubereitung, Menge und Rhythmus von Ihrer Hebamme oder der Kinderarztpraxis erklären, statt sich auf Angaben aus dem Internet zu verlassen. Auch teilweises Stillen ist möglich. Wenn Sie abstillen wollen, besprechen Sie das Vorgehen – ein zu schnelles Abstillen kann Beschwerden verursachen.